MEIN GOTT SEGNET ALLE


Julia

Kennst du die Geschichte von Jesus und dem Zöllner?
Obwohl Zöllner als Geldgierig gelten,  läd Jesus sich bei ihm zuhause ein und segnet ihn.
Kennst du die Geschichte von Jesus und den Kindern?
Obwohl sie abgewiesen werden, holt Jesus sie zu sich und segnet sie.
Jesus verbrachte dabei seine Zeit mit vielen verschiedenen Menschen-Mit Randgruppen, mit Freunden, mit Alten, mit Jungen, mit Kranken.
Ich persönlich lese die Bibel und erfahre Gott als liebend.
Er nimmt mich so an, wie ich bin.
Ob es ihm dabei wichtig ist, wen ich liebe? Mein Gott liebt alle und segnet deswegen auch alle, die mit ihm leben wollen.

Antje

Es ist erst ein paar Wochen her, seit der Vatikan lautstark verkündete, keine gleichgeschlechtlichen Paare zu segnen. Schon diese Äußerung verursachte bei mir Fassungslosigkeit. Und Wut. Ganz viel Wut! Wieder einmal war es mir unangenehm, Teil einer solchen Institution wie der katholischen Kirche zu sein. Kurz überlegte ich, für mich Konsequenzen zu ziehen: Sollte ich vielleicht einfach austreten, so wie viele andere vor mir?
So wirklich hatte ein solcher Gedanke keinen Platz in meinem Kopf, viel eher redete ich mir ein, dass die Äußerung ja aus dem weit entfernten Vatikan stammte – hier in meinem direkten kirchlichen Umfeld könnte doch niemand ernsthaft eine so antiquierte, für mich sogar schon homophobe, Einstellung haben. Und als in den Medien zahlreiche Kirchenvertreter auftauchten, die auch ganz offensichtlich ebenfalls ein Problem mit dem Statement des Vatikans hatten und sogar Gegenaktionen initiierten, war ich schon fast wieder versöhnt mit der Kirche.
Nichtsdestotrotz erschien es mir weiter wichtig, ein Zeichen gegen die getätigten Äußerungen zu setzen. Ich wollte, dass jeder weiß, dass wir als DPSG nicht für solche Äußerungen stehen. Ich wollte, dass unsere Gemeinde und sowieso jeder weiß, dass unser Glaube in der DPSG nicht ausgrenzt! Dass es bei uns keinen Unterschied macht, wer wen liebt. Und das bei uns jeder so sein darf, wie er*sie ist – und zwar kompromisslos.
Wir überlegten also in der Leiterrunde, eine Regenbogenflagge an der Kirche zu hissen, wie es an vielen anderen Kirchen deutschlandweit ebenfalls Menschen getan haben. Das letzte was fehlte, war die Zustimmung unseres Pfarrers. Die wurde uns verwehrt. Soweit ich das verstanden habe, findet auch unserer Pfarrer, dass Homosexuelle in Sünde leben würden. Schließlich gäbe es in der Bibel keinen einzigen Gegenbeweis.
Ich bin also wieder fassungslos, enttäuscht und wütend. Hier in meinem direkten kirchlichen Umfeld gibt es also doch Menschen, die antiquiert und - aus meiner Sicht – homophob denken.
Was mir also bleibt, ist ein ungutes Gefühl, wenn ich in Zukunft in die Messe gehe - ich weiß nun abermals, dass ich einer Gemeinde angehöre, die aussortiert und Menschen abwertet. Mir bleibt ein ungutes Gefühl, wenn ich den Pfarrer treffe. Und mir bleibt ein ungutes Gefühl, wenn ich jemandem erzähle, in welche Gemeinde ich gehe.
Was mir aber auch bleibt ist die Gewissheit, dass es bei uns Pfadfindenden anders ist.
Und das wir damit nicht alleine sind.
Und dass ich so oft es geht unseren Jugendlichen sagen werde, dass sie sein sollen, wer sie sein möchten.
Und dass sie lieben sollen, wen sie möchten.
Und dass sie immer willkommen sind!
Weil ich ganz fest davon überzeugt bin, dass Liebe nunmal Liebe ist – und mein Gott da keinen Unterschied macht!

Kathi & Kira

Mein Gott segnet alle.
Was heißt das überhaupt für einen Pfadfinder oder eine Pfadfinderin? Eigentlich würde man denken, dass es genau das heißt was da steht.
Aber warum MEIN Gott und warum gibt es überhaupt eine Diskussion darüber?
Die Diskussion entbrannte vor etwas über 2 Monaten. Der Vatikan hat verkündet, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen. Doch warum? Im Vatikan wurde es verschieden begründet. So sei eine Ausübung der Sexualität außerhalb der Ehe zwischen Mann und Frau nicht „im Sinne Gottes“. Zusätzlich habe man Angst, dass die Segnung einer Ehe gleichkommen würde. Es ginge auch nicht um die Person selbst, sonder um eben diese Verbindung, eine einzelne homosexuelle Person könne gesegnet werden. Als Pfadfinder und Pfadfinderin ist dies außerhalb unseres Verständnisses. Es sind doch alle Menschen gleich. Und auch jede Art von Beziehung oder Ehe sind gleich. Wir stehen für Weltoffenheit und Diversität!
Deshalb heißt es auch MEIN Gott segnet alle. Denn wie wir Gott sehen ist anders, als der Vatikan und die konservative katholische Kirche. Wir sehen, dass auch Mann und Mann sowie Frau und Frau „im Sinne Gottes“ eine Partnerschaft eingehen können. Denn wir glauben daran, dass Gott für die Liebe steht und diese befürwortet. Wir glauben daran, dass es ihm egal ist, welches Geschlecht die Liebenden haben. Wir, der Stamm Gallier, unterstützen die Initiative "mein Gott segnet alle" und bedanken uns bei allen Pfarrern, Gemeinden und Institutionen der katholischen Kirche, die diese Initiative ebenfalls unterstützen und Segnungen für homosexuelle Paare aussprechen.
Unter dem Slogan „Mein Gott segnet alle“ findet man aktuell viele Regenbogenflaggen und gemalte Bilder. Wir wollen das Thema weiter aufgreifen und unsere Leiter*innen zu dem Thema sprechen lassen. Teilt und verbreitet unseren Beitrag und die Message, versucht eure Kirche zu überzeugen eine Regenbogenflagge zu hissen.

Eure Kira und Kathi